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NEWS · 2026-07-25

Das Obere Ilmtal in höchster Gefahr

25. Juli 2026

Fotomontage: Windräder am Herrnraster Forst bei der Wallfahrtskapelle Herrnrast Herrnrast – Fotomontage der geplanten Windräder am Herrnraster Forst

Wer zwischen Pfaffenhofen und Jetzendorf zu Hause ist, kennt das Obere Ilmtal als Hügellandschaft aus Wäldern, Dörfern, Weilern und bäuerlicher Landwirtschaft – ein Landstrich, der über Generationen sein Gesicht kaum verändert hat. Genau dieses Gesicht steht jetzt zur Disposition. Und diesmal geht es nicht um ein einzelnes Windrad am Ortsrand, sondern um eine flächendeckende Umwandlung der Region in ein Industriegebiet für Energieerzeugung.

Eine Dimension, die kaum jemand kennt

Einige Dutzend neue Windräder sollen in den Wäldern südlich von Pfaffenhofen entstehen – mit fast 300 Metern Höhe, jedes so hoch wie der Eiffelturm. Allein zwischen Pfaffenhofen und Jetzendorf sind derzeit 21 Windräder in Planung, zwei bei Hohenkammer bereits genehmigt (Stand Juli 2026). Die Mindestabstände sollen dabei nur 900 Meter zu Wohngebieten, 550 Meter zu Mischgebieten und Gehöften betragen. Das ist kein behutsamer Ausbau – das ist „Verspargelung“ im industriellen Maßstab.

Fast jedes Waldstück zwischen Pfaffenhofen und Jetzendorf steht auf der Liste: Zum Beispiel der Herrnraster Forst bei Ilmmünster, wo die Bürger 2016 per Bürgerentscheid bereits einmal Nein gesagt hatten und wo nun trotzdem wieder geplant wird. Hettenshausen, Entrischenbrunn, Reichertshausen, Grafing, Paindorf, Oberpaindorf, Lausham, Pischelsdorf, Steinkirchen, Jetzendorf, Niernsdorf, Unter-, Mitter- und Obermarbach, Paunzhausen, Walterskirchen, Angerhöfe – Dörfer, die schon bald von einer geschlossenen Windradmauer bedrängt werden sollen.

Landschaft, die man nicht zurückbekommt

Was hier verhandelt wird, ist mehr als Fläche in Hektar. Der Herrnraster Forst etwa ist kein x-beliebiges Waldstück – er ist Naherholungsgebiet, er umschließt die denkmalgeschützte Wallfahrts- und Hochzeitskapelle Herrnrast, er ist der Ort, an dem Familien seit Jahrzehnten Erholung suchen. Wald, der gerodet wird, wächst nicht in einer Generation nach. Und ein Horizont lässt sich nicht renaturieren, wenn man ihn einmal zerschnitten hat.

Genau das ist der Punkt, an dem aus einem Bauprojekt ein Verlust von Heimat wird: wenn der vertraute Blick über die Felder, den Wald am Ortsrand auf einmal nicht mehr da ist – ersetzt durch wirbelnde Rotoren, nächtliche Warnlichter, Lärm und Schlagschatten. Wer hier oft seit Generationen lebt, verliert nicht nur die vertraute Aussicht. Er verliert die Landschaft, in der er sich zuhause gefühlt hat.

Entschieden wird über die Köpfe der Bürger hinweg

Besonders bitter: All das geschieht weitgehend ohne die Menschen, die es betrifft. Gemeinderäte und Bürger erfuhren erst ab Sommer 2024 von den neuen Planungen. Anfragen nach dem Bayerischen Umweltinformationsgesetz an mehrere Bürgermeister liefen ins Leere. Während offiziell über „ein paar Windräder“ im jeweiligen Gemeindegebiet gesprochen wird, sollen auf dem Waldrücken über dem Oberen Ilmtal die Windräder bald dicht an dicht stehen. Gemeindegrenzen haben bei der Größe der Anlagen nämlich keinerlei Bedeutung.

Was jetzt zählt

Sprechen Sie die Politiker an! Die Landschaft, die Natur, die Wälder gehören nicht den Investoren oder den winzigen Bürgerenergiegenossenschaften – sie gehören den Zehntausenden Bürgerinnen und Bürgern, die hier leben, arbeiten und ihre Kinder großziehen.

Wer sich informieren, Einwendungen erheben oder die aktuellen Planungen für sein eigenes Grundstück oder seine Gemeinde einsehen will, findet Karten und Hintergründe auf menschundnatur-paf-fs.de.