Mensch und Natur PAF·FSWindkraft-Information

Das Windkraft Manifest – Für Wahrheit und Dialog
Im Jahr 1999 veröffentlichten Rick Levine, Christopher Locke, Doc Searls und David Weinberger ein Dokument, das die Kommunikation im digitalen Zeitalter nachhaltig prägen sollte: das Cluetrain-Manifest. In 95 provokanten Thesen sagten die Autoren voraus, dass schöngefärbte Konzern-PR, unkritische Einbahnstraßen-Kommunikation und herablassendes Marketing im vernetzten Zeitalter keinen Bestand mehr haben würden. Ihre zentrale Erkenntnis lautete: Märkte sind Gespräche.
Heute erleben wir in der Diskussion um den massiven Ausbau der Windenergie exakt dieselbe Dynamik. Wenn Projektierer, Verbände, Investoren und Politiker den Menschen vor Ort mit glattgebügelten PR-Phrasen, Schönfärberei und moralischem Druck begegnen, ignorieren sie eine entscheidende Realität: Die Bürger sind heute vernetzt, bestens informiert und lassen sich nicht mehr als passive Empfänger von Verkaufsbotschaften behandeln. Sie fordern ehrliche Antworten, volle Transparenz und Respekt für ihr Lebensumfeld.
Wir haben die zeitlosen Prinzipien der Original-Autoren aufgegriffen und auf die Kommunikations- und Verkaufsstrategien der Windkraftlobby übertragen. Hier sind unsere 20 Thesen für radikale Ehrlichkeit und ein echtes Gespräch auf Augenhöhe:
1. Die Energiewende ist ein Gespräch.
Akzeptanz lässt sich nicht durch politische Dekrete erzwingen, durch Subventionen erkaufen oder durch PR-Agenturen herbeischreiben. Sie entsteht nur durch einen ehrlichen, ungeschönten Dialog vor Ort.
2. Wir sind Menschen, keine Störfaktoren.
Wir sind keine "NIMBYs" (Not in my backyard), keine ideologischen Feindbilder, keine demographischen Zielgruppen und keine reinen Konsumenten von „grünen" Versprechen. Wir sind Bürger, die in der betroffenen Landschaft leben.
3. Die menschliche Stimme spricht über Vor- und Nachteile.
Wenn ihr zu uns sprecht, wollen wir keine glattgebügelten Renditeversprechen, keine verharmlosenden Lärmgutachten und keine moralisierenden Weltrettungsfloskeln hören. Wir wollen die Fakten – auch die unbequemen.
4. Die Bürger sind intelligenter und besser informiert.
Dank der Vernetzung wissen wir heute genauso viel über Grundlastfähigkeit, reale Volllaststunden, Netzengpässe, Infraschall und Naturschutz wie die Projektierer selbst und in der Regel mehr als die verantwortlichen Politiker. Unterschätzt unser Wissen nicht.
5. Es gibt keine grünen Geheimnisse mehr.
Wenn ein Windpark unrentabel ist, Wälder zerstört, Vögel gefährdet oder der erzeugte Strom mangels Netzausbau abgeregelt wird, erfahren wir es. Die vernetzte Bürgerschaft teilt Daten und Studien in Echtzeit.
6. Ihr sprecht die Sprache der Macht, nicht die der Menschen.
Eure Pressemitteilungen, bezahlten Studien und Lobby-Papiere klingen wie hohles Marketing. Wir erkennen sofort den Unterschied zwischen echter ökologischer Überzeugung und profitgetriebener Industrie-PR.
7. Ideologische Verkaufsveranstaltungen überzeugen niemanden mehr.
Wer uns Kritiker pauschal als „Fortschrittsverweigerer", „Klimaleugner" oder „rückwärtsgewandt" abstempelt, baut Mauern auf. Ihr sprecht dann nicht mehr mit uns, sondern nur noch mit eurer eigenen Echokammer.
8. Kommt von euren Elfenbeintürmen herunter.
Wenn ihr Windindustrieanlagen in unsere Wälder und vor unsere Dörfer bauen wollt, verlasst eure Konferenzräume in Berlin, Brüssel oder München. Tretet uns auf Augenhöhe gegenüber – ohne Geleitschutz durch sogenannte „Experten".
9. Greenwashing ist keine Kommunikation.
PR-Kampagnen, die Großinvestitionen von Konzernen oder Bürgerenergiegenossenschaften als philanthropischen Akt für das Klima verkleiden, lenken nur von der zentralen Frage ab: Wer trägt hier dauerhaft die Lasten, und wer streicht die Gewinne ein?
10. Wer nicht zuhört, kann nicht überzeugen.
Um mit uns ins Gespräch zu kommen, müsst ihr unsere Lebensrealität teilen. Wenn ihr unsere Sorgen um das Landschaftsbild, den Wert unserer Natur und unsere Heimat ignoriert, seid ihr keine Partner, sondern Eindringlinge.
11. Transparenz lässt sich nicht faken.
Wir durchschauen sogenannte „Bürgerbeteiligungs-Modelle", bei denen das finanzielle Risiko am Ende bei uns liegt, während die Entscheidungsmacht und die lukrativsten Renditen bei den Investoren bleiben.
12. Hört auf, mit gespaltener Zunge zu sprechen.
Das Gespräch, das ihr in den Hinterzimmern der Politik über garantierte Einspeisevergütungen, Subventionen und Lobby-Ziele führt, unterscheidet sich fundamental von den idealistischen Märchen, die ihr der Öffentlichkeit erzählt.
13. Wahre Nachhaltigkeit verträgt die volle Wahrheit.
Legt die vollständigen ökologischen und ökonomischen Bilanzen offen – inklusive Rohstoffabbau, Flächenversiegelung, Backup-Kraftwerken und Entsorgungskosten der Rotorblätter. Wer nichts zu verbergen hat, muss solche Fragen nicht meiden.
14. Wir wollen mit den Verantwortlichen sprechen.
Wir wollen keine beschwichtigenden Moderatoren und keine vorgeschobenen Bürger-Dialog-Agenturen (Windkümmerer). Wir wollen den Investoren, Planern und Politikern, die unser Lebensumfeld verändern, direkt in die Augen sehen.
15. Wir sind immun gegen Öko-Propaganda. Vergesst es einfach.
Eure Hochglanzbroschüren mit lachenden Kindern vor sonnenbeschienenen Windrädern landen im Altpapier. Sie sind eine Beleidigung für unseren Verstand. Wir fordern belastbare Beweise für Systemdienlichkeit und Versorgungssicherheit.
16. Ihr wollt unser Land? Dann schuldet ihr uns Rechenschaft.
Ihr wollt unsere Steuern, unsere Netzentgelte und die Veränderung unserer Heimat? Dann seid ihr in der Bringschuld für absolute Ehrlichkeit, statt uns mit juristischen Tricks und beschleunigten Verfahren übergehen zu wollen.
17. Bürgerinitiativen haben Macht, und wir wissen das.
Wir organisieren uns. Wir teilen rechtliche Gutachten, ökologische Gegengutachten und Erfahrungen mit dem juristischen Widerstand quer durchs Land. Euer lokales Monopol auf Information ist gebrochen.
18. Wir sind keine „Akzeptanz-Beschaffungs-Objekte".
Wir lassen uns nicht von PR-Strategen „abholen" oder „mitnehmen", als wären wir entmündigte Passagiere in eurem Businessplan. Wir sind mündige Bürger, die selbst entscheiden, ob ein Projekt Sinn ergibt oder nicht.
19. Ihr gebt Millionen für Lobbyismus aus, um das Offensichtliche zu kaschieren.
Investiert das Geld, das ihr für politische Einflussnahme und PR-Maschinerien zur Ruhigstellung der Bevölkerung ausgebt, lieber in echte natur- und menschenverträgliche Innovationen, die ohne Schönfärberei auskommen.
20. Wir wachen auf und vernetzen uns.
Wir beobachten genau, was politisch forciert und lokal ignoriert wird. Wir durchschauen das Geschäftsmodell hinter der Ideologie. Wir sind bereit für den Dialog – aber nur auf der Basis der ungeschönten, komplexen Realität. Und wir warten nicht länger auf eure Erlaubnis, Fragen zu stellen.
© Helmut Simek
Das vollständige Manifest steht auch als PDF zum Download bereit: Das Windkraft Manifest (PDF).